Der SC DHfK Leipzig trauert um Ehrenmitglied Prof. Dr. Dietmar Junker

Der SC DHfK Leipzig und die Abteilung Radsport trauern um Prof. Dr. Dietmar Junker. Er verstarb am 21. April im Alter von 83 Jahren. Junker war über 65 Jahre Mitglied im SC DHfK Leipzig und erhielt 2022 die Ehrenmitgliedschaft unseres Vereins. Als Trainer und Sportwissenschaftler widmete er sich sein Leben lang der Förderung und Entwicklung des Radsports und hat großen Anteil an den Erfolgen vieler Radsportlerinnen und -sportler.
Leipzig. In tiefer Trauer nehmen der SC DHfK Leipzig und die Abteilung Radsport Abschied von Prof. Dr. Dietmar Junker. Mit ihm verlieren wir und der gesamte Radsport einen außergewöhnlichen Trainer und Sportwissenschaftler, der sich sein Leben lang der Förderung und Entwicklung des Radsports und zahlreicher erfolgreicher Athletinnen und Athleten verschrieben hatte.
Den Radsport im SC DHfK Leipzig prägte er jahrelang als Trainer und Vorsitzender der Sektion Radsport, führte viele Leipziger Sportler zu großen Erfolgen, darunter u.a. Bahnrad-Weltmeister Thomas Liese, Radprofi und Giro-Etappensieger Robert Förster, Weltcup-Sieger Erik Mohs und jüngst die SC DHfK-Radsportler Felix Groß und Bruno Keßler. Auch an den Olympiasiegen von Sportlern wie Jens Lehmann und Uwe Ampler, den WM-Titeln vieler DDR-Sportler oder den Friedensfahrt-Siegen von Olaf Ludwig hatte Junker durch die Revolutionierung des Trainingskonzepts in den 70/80er Jahren seinen Anteil.
„Wir als SC DHfK Leipzig sind in tiefer Trauer. Der Tod von Prof. Dr. Dietmar Junker ist ein großer Verlust für unseren Verein und für den Radsport“, sagt SC DHfK-Präsident Bernd Merbitz, „wir sprechen seinen Angehörigen und allen Freunden und Wegbegleitern unser aufrichtiges Beileid aus und wünschen ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit. Was Professor Junker für unseren SC DHfK und den Radsport geleistet hat, ist bemerkenswert und dafür danken wir ihm zutiefst. Es erfüllt uns zudem mit Dankbarkeit, dass wir ihm zu seinem 80. Geburtstag die Ehrenmitgliedschaft unseres Vereins verleihen durften.“
- 2022 wurde Prof. Dr. Dietmar Junker als Ehrenmitglied des SC DHfK Leipzig ernannt.
- 2020 erhielt er die Auszeichnung „Trainer des Jahres 2019“ des SC DHfK Leipzig.
1942 geboren, hatte Dietmar Junker schon früh seine Leidenschaft für den Radsport entdeckt. Mit 14 Jahren kaufte er sich von seinem selbst ersparten Geld ein Rennrad. Die ersten Erfolge bei Rennen im Bezirk Rostock ließen nicht auf sich warten, sodass er es bis in die DDR-Jugendauswahl schaffte.
Mit 20 Jahren wechselte Junker zum SC DHfK Leipzig, um ein erfolgreicher Radsportler zu werden. Westverwandschaft ließ den Traum von einer erfolgreichen Radsport-Karriere jedoch platzen. Daraufhin verschrieb er sich vollkommen der Sportwissenschaft, begann sein Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK). „Er war einer der besten Studenten auf dem Gebiet des Radsports, durfte auf Lehrgänge der Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die internationalen Friedensfahrten, Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele mitfahren“, sagt sein langjähriger Wegbegleiter Michael Schiffner, der selbst einige Jahre als SC DHfK-Sportler unter Junker trainierte.
Junker setzte seinen akademischen Weg fort, promovierte und wurde später zum Professor an der DHfK ernannt. Hier begann er – auch im Auftrag des Deutschen Radsport-Verbandes der DDR – mit der Forschung im Straßenradsport und revolutionierte mit seinen Forschungen gemeinsam mit Dr. Siegfried Kettmann und DDR-Nationaltrainer Wolfram Lindner die Trainingsmethodik. Er veröffentlichte mehrere Radsport-Fachbücher und beschäftigte sich mit biomechanischen Aspekten des Radsports. Deshalb wurde er von seinen Schützlingen auch liebevoll als „Radsport-Professor“ bezeichnet.
Fast alle erfolgreichen Radsport-Trainer der DDR gingen durch seine Schule, so auch Roland Hempel, jetziger Abteilungsleiter Radsport im SC DHfK: „Professor Junker hatte immer ein Herz für die Sorgen und Nöte der jungen Radsportlerinnen und Radsportler in unserer Abteilung. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Ich persönlich habe ihn an der DHfK kennengelernt, als er viele Studenten zu erfolgreichen Trainern ausbildete. Er war mein Mentor, ich habe viel von ihm gelernt und konnte das Wissen später als Trainer an meine Sportler weitergeben. Bei Problemen suchten wir mit seinen Ratschlägen immer gemeinsam an einer Lösung, die fast immer positiv zur Entwicklung der jungen Radsportler führte.“
Nach der Wende wurde Junker 1990 Präsident des wiedergegründeten Sächsischen Radfahrer-Bundes und stand 15 Jahre an der Spitze des Landesverbandes. Außerdem baute er mit der Universum-Akademie ein Zentrum für Leistungsdiagnostik in Leipzig auf und betreute die besten Radsportler der Stadt Leipzig bis zum Profibereich.
So schafften Sportler wie Bert Grabsch, Robert Förster, Steffen Radochla Ende der 90er Jahre den Sprung zu den Profis. Noch bis ins hohe Alter gab Junker seine Erfahrungen an die Radsportler des SC DHfK weiter, betreute u.a. Erik Mohs, Rüdiger Selig, Felix Groß und Bruno Keßler. Felix Groß wurde durch Junkers Unterstützung u.a. dreifacher U23-Europameister auf der Bahn und schafft den Sprung zum Straßenrad-Profi.
- Dietmar Junker mit seinem Sportler Felix Groß bei der Bahnrad-EM 2017 in Berlin.
- Er führte Felix zu vielen Erfolgen, hier dem Deutschen Meistertitel in Berlin 2019.
Felix Groß blickt dankbar zurück: „Der Professor war für mich weit mehr als nur ein Trainer. Er hat mich nicht nur sportlich geprägt, sondern auch als Mensch begleitet, gefordert und unterstützt. Viele der Werte, die ich heute mit mir trage, gehen auf ihn zurück. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Ich erinnere mich an zahlreiche gemeinsame Momente an Trainingseinheiten, Gespräche und auch an die kleinen Augenblicke neben der Bahn, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Seine Leidenschaft, seine Geduld und sein Engagement waren außergewöhnlich. Mein tiefes Mitgefühl gilt der Familie in dieser schweren Zeit.“
Mit Dietmar Junker verliert die Radsportgemeinschaft einen genialen Diagnostiker und Förderer junger Radsporttalente.













